Was hat ADHS mit Serotonin, Dopamin und GABA zu tun?

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (kurz: ADHS) zeichnet sich aus durch eine gestörte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Die Ursachen der Erkrankung, die meistens im Kinder- und Jugendalter zum ersten Mal auftritt, sind bis heute noch nicht endgültig erforscht. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft handelt es sich jedoch um eine neurobiologische Erkrankung, bei der die Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Gehirn gestört ist.

ADHS und Neurotransmitter

Bei der Kommunikation zwischen Nervenzellen spielen die Botenstoffe (Neurotransmitter), die für die Informationsübermittlung zuständig sind, eine wichtige Rolle. Zu den bekanntesten Neurotransmittern gehören Dopamin, Serotonin und GABA, die offenbar bei einer ADHS-Erkrankung nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind.

ADHS und Dopamin

Dopamin ADHS
Dopamin gilt als der wichtigste Botenstoff bei der Entstehung der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung. Offenbar ist die Ausschüttung von Dopamin bei betroffenen Personen gestört oder der Botenstoff wird zu schnell abgebaut, sodass die Informationsübertragung gestört ist. Als Folge können die Reize nicht gut gefiltert werden, was unter anderem dazu führt, dass beispielsweise bereits begonnene Gedanken nicht zu Ende geführt, sondern von immer neuen Gedanken gestört werden [1]. Dafür spricht auch, dass Medikamente, die den Dopamin-Spiegel erhöhen, die Symptomatik verbessern können [2].

Darüber hinaus scheint auch der - unter anderem für die Impulskontrolle zuständige Botenstoff - Serotonin eine Rolle bei ADHS zu spielen.

ADHS und Serotonin

Der Neurotransmitter Serotonin ist unter anderem an der Stimmungsregulation beteiligt, aber auch sehr wichtig für das Schlaf- und Sozialverhalten und Gedächtnisfunktionen. Ein zu niedriger Serotoninspiegel kann diese Funktionen beeinträchtigen. Es gibt Hinweise darauf, dass ein chronischer Serotoninmangel Symptome einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung auslösen kann und die Erhöhung von Serotonin durch die Verabreichung von Tryptophan (der Vorstufe von Serotonin) die krankheitstypischen Probleme mit der Impulskontrolle und Hyperaktivität lindern kann [3]. Dopamin und Serotonin agieren jedoch nicht unabhängig voneinander, deshalb ist es denkbar, dass bei Erkrankungen wie der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung auch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Neuronensystemen gestört sein kann [4].

ADHS und GABA

GABA ADHS
Gamma-Aminobuttersäure (GABA) ist der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter im Gehirn. Seine Aufgabe ist es, die Erregbarkeit der Nervenzellen zu verringern, was eine beruhigende, angstlösende und entspannende Wirkung auf den Körper hat. In einer Studie zeigte sich, dass erwachsene Patienten mit ADHS höhere Impulsivitätswerte, aber niedrigere GABA-Spiegel aufwiesen als gesunde Kontrollpersonen [5]. Auch bei Kindern mit ADHS wurden geringere GABA-Konzentrationen im Gehirn gemessen als bei einer gleichaltrigen Kontrollgruppe [6], was dafür spricht, dass die Erkrankung mit einem GABA-Defizit einhergeht.

Fazit

Die Entstehung und Symptomatik der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung scheint mit einem gestörten Gleichgewicht der Neurotransmittersysteme im Gehirn zusammenzuhängen. Studien deuten darauf hin, dass vor allem Dopamin, Serotonin und GABA von Bedeutung sind und eine Erhöhung des jeweiligen Neurotransmitterspiegels die Symptome verbessern kann.

Quellen


[1] https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/adhs-aufmerksamkeits-defizit-hyperaktivitaets-stoerung/ursachen/
[2] https://adhs-muenchen.net/adhs-bei-erwachsenen/­stand-der-forschung/
[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25684070/
[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18772050/
[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26040503/
[6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22752239/